Dr. Peter Ramsauer ist seit 2015 Schirmherr von Deutschland baut!. Im Interview spricht der Bundesminister a.D. über die Bedeutung der Bauwirtschaft, das Image der Branche, politische Herausforderungen und darüber, warum junge Menschen wieder Lust auf Berufe rund ums Bauen bekommen sollten. Hier das gesamte Interview:
Herr Ramsauer schön, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Wir starten einmal mit einer zeitlichen Frage für den Einstieg: Seit wann sind Sie Schirmherr von Db!?
Ich bin Schirmherr seit dem Jahr 2015. Die Schirmherrschaft habe ich übernommen von Wolfgang Tiefensee, der auch mein Vorgänger als Bundesverkehrs- und Bauminister war. Er konnte die Schirmherrschaft nicht mehr ausüben, weil er Wirtschaftsminister im Land Thüringen wurde.
Was hat Sie damals persönlich motiviert, die Schirmherrschaft für Deutschland baut! zu übernehmen?
Die Schirmherrschaft wurde mir angetragen, vom damaligen Vorsitzenden von Deutschland baut!, Dieter Babiel.
Ich habe die Schirmherrschaft angenommen, weil mir die deutsche Bauwirtschaft in all ihren Ausprägungen und mit ihrer breiten Wertschöpfungskette sehr am Herzen liegt.
Als Bundesverkehrs- und Bauminister hat es mich immer sehr geärgert, dass über die deutsche Bauwirtschaft nur gelästert wurde, nach dem Motto: in Deutschland wird zu wenig gebaut, und wenn gebaut wird, nur mit Pfusch, niemals zeitgerecht und immer mit Kostenüberschreitungen. Dass dies nicht stimmt, habe ich als Bundesminister reichlich erlebt: auf der ganzen Welt wurde immer nach deutschen Baufirmen mit ihrem hervorragenden Know-how gerufen, wenn es ganz besondere Probleme zu lösen gab.
Für mich war es eine Herausforderung auch als Schirmherr alles dafür zu tun, den Ruf der deutschen Bauwirtschaft und ihr öffentliches Ansehen wieder herzustellen und bestmöglich zu fördern. Dies dient auch dazu, die Förderung von Nachwuchskräften bestmöglich zu bewerkstelligen. Wenn die Reputation einer Branche stimmt, braucht sie sich um den Berufsnachwuchs nicht zu sorgen.
Dann können wir hier anknüpfen: Welche Bedeutung hat die Baubranche für Sie – beruflich, gesellschaftlich, privat?
Ich stamme aus einem mittelständischen Familienbetrieb, wo immer gebaut wurde. Als kleines Kind wollte ich deshalb immer Maurer werden. Natürlich kam es anders. Aber das Bauen war immer Teil meines Lebens, sei es als Bauherr, als künftiger Nutzer einer Immobilie oder schließlich als Bundesbauminister.
Gibt es ein Schlüsselerlebnis, das Ihren Blick auf die Bau- und Immobilienwelt geprägt hat?
Nachdem der Deutsche Bundestag 1991 entschieden hatte, dass Berlin die künftige deutsche Hauptstadt sein werde, entfachte das in Berlin einen unvorstellbaren Bauboom. Das zeigte mir: Wenn der politische und wirtschaftliche Wille und die nötige Entschlossenheit da sind, dann ist die deutsche Bauwirtschaft in ihrer gesamten Breite zu immensen Leistungen fähig. In Berlin musste neugebaut, umgebaut, hergerichtet, saniert und vieles mehr geleistet werden. Das hat mich immer und bis heute fasziniert.
Was sagen Sie, welche aktuelle Rolle spielt Deutschland baut! Ihrer Meinung nach für die Zukunft der Baubranche? Soll sich diese Rolle zukünftig verändern?
Eine wesentliche Mission für Deutschland baut! liegt darin, die Reputation und Attraktivität der Bauwirtschaft wieder herzustellen und zu fördern. Es hat mich immer geärgert, wenn mir im eigenen Land, aber auch von ausländischen Ministerkollegen vorgehalten wurde, dass bei uns, wenn überhaupt dann zu lang, zu teuer und mit Pfusch gebaut würde. Die Beispiele waren immer dieselben: der Berliner Flughafen, Stuttgart 21, die Elbphilharmonie, das WCCB in Bonn, die Elbvertiefung und manches mehr. Das war, ist und bleibt der Auftrag klarzumachen: falsch ist: Deutschland baut nicht. Richtig ist: Deutschland baut! Mit Ausrufezeichen!
Haben Sie denn als Schirmherr eine persönliche Vision für Deutschland baut!?
Deutschland baut! ist kein Fachverband, wie es etwa der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie oder der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sind. Unsere Initiative steht als Querschnittsorganisation darüber. Wir machen, was die klassischen Verbände nicht können. Wir haben uns das Ziel gesetzt, das Ansehen und die Anziehungskraft der gesamten Wertschöpfungskette „Bau“ zu fördern! Damit junge Leute sich wieder sagen: bei diesem Wirtschaftsmotor wollen wir dabei sein! Am besten wir holen den wunderbaren Imperativ von vor 60 Jahren wieder heraus: „Sei schlau, geh zum Bau!“
Welche aktuellen Herausforderungen der Bau-, Immobilien- oder Handwerksbranche sehen Sie als besonders dringend?
Da ist zum einen die steigende Baunachfrage gerade der öffentlichen Hand, die nach zusätzlichen Kapazitäten ruft. Und damit einhergehend die Rekrutierung von ausreichend Fachkräften, vom Betonbauer über den Polier bis zum Bauingenieur.
Wo bestehen aus Ihrer Sicht Missverständnisse oder falsche Wahrnehmungen der Öffentlichkeit über die Branche?
Da ist zunächst einmal das allgemeine Imageproblem: um 7.00 Uhr früh bei Schneeregen und nach Dunkelheit auf der Baustelle stehen und sowas. Daran müssen wir als Deutschland baut! arbeiten!
Und zum anderen überzogene Erwartungen an die Bauwirtschaft: wenn heute Sonderprogramme für die Modernisierung unserer Infrastruktur aufgelegt werden, rollen deswegen nicht schon morgen die Bagger. Hier ist die Politik gefordert, all diese Investitionsbremsen zu beseitigen!
Wie kann man das Image der Baubranche in der Gesellschaft nachhaltig stärken? Haben Sie Ideen?
Durch eine Vielzahl von Aktionen in der digitalen und analogen Welt. Herzeigen, was die deutsche Bauwirtschaft alles zu schaffen vermag. Nichts künstlich Digitales, sondern reales Greifbares. Unsere Initiative leistet dazu großartige Beiträge, z.B. mit unserem Traineeprogramm.
Wo sehen Sie die größte Chance, der Baubranche mehr Präsenz in Politik und Öffentlichkeit zu verschaffen?
Was gerade im öffentlichen Bau Großartiges geschaffen wird, im Hochbau wie im Tief- und Ingenieurbau, muss öffentlichkeitswirksam hergezeigt werden nach dem Motto: schaut her, was wir Tolles können!
Welche Vision haben Sie für das „Bauen in Deutschland“ in 10 Jahren?
Dass von der ersten Idee für ein Projekt bis zu seiner Fertigstellung nicht mehr 29 Jahre und mehr vergehen. Dass die Planungs- und Genehmigungsphase das zigfache an Zeit vergeht, wie für das Bauen selbst kann sich Deutschland nicht mehr leisten.
Und jetzt noch eine finale Frage: Wenn Sie der Branche einen Rat mitgeben könnten – welcher wäre das?
Lauter und selbstbewusster öffentlich auftreten! Die deutsche Bauwirtschaft braucht sich für nichts entschuldigen! Sie kann täglich das sichtbar Geleistete herzeigen. Sie macht die Umwelt, in der wir leben.
Dr. Peter Ramsauer im Überblick
Position bei Deutschland baut!: Schirmherr
Ausbildung: Müllermeister & Diplom-Kaufmann
Geboren: 1954
Familie: verheiratet, vier Kinder
Politischer Anfang: 1972 Eintritt in die Junge Union.
Politische Station: Mitglied des Deutschen Bundestags, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestages, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages
Schirmherr seit: 2015
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