Meine zweite Station bei Gustav Epple in der Angebotskalkulation
Hallo zusammen,
Im Rahmen des Deutschland-Baut-Traineeprogramms bin ich seit April 2026 bei Gustav Epple in Stuttgart eingesetzt. Mein Schwerpunkt liegt dabei in der Angebotskalkulation, ergänzt durch eine kurze Exkursion in die Arbeitsvorbereitung im Bereich Ausschreibung. Rückblickend kann ich sagen, dass diese Station meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern deutlich übertroffen hat.
Zu Beginn hatte ich die Vorstellung, zunächst überwiegend Übungsaufgaben zu erhalten und langsam an die eigentliche Kalkulation herangeführt zu werden. Umso überraschter war ich, wie schnell ich in den laufenden Arbeitsalltag integriert wurde. Bereits nach einer kurzen Einführung in die eingesetzten Programme durfte ich aktiv an aktuellen Projekten mitarbeiten. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass meine Arbeit einen echten Mehrwert für das Team liefert und entsprechend wertgeschätzt wird. Diese Verantwortung hat mich motiviert und mir den Einstieg in die neue Fachrichtung erheblich erleichtert.
Das Team hat dabei einen entscheidenden Beitrag geleistet. Ich wurde sehr offen aufgenommen und jederzeit unterstützt. Wenn Fragen aufkamen, konnte ich mich jederzeit an meine Kolleginnen und Kollegen wenden. Gleichzeitig wurde Eigeninitiative gefördert, sodass ich zunächst versuchte, Herausforderungen selbst zu lösen oder zu recherchieren und anschließend gezielt Fragen stellte. Durch diese Mischung aus Selbstständigkeit und Unterstützung konnte ich mich fachlich und persönlich besonders gut weiterentwickeln.
Zu meinen regelmäßigen Aufgaben gehören vor allem die Massenermittlung sowie die Anpassung von Leistungsverzeichnispositionen. Darüber hinaus erhalte ich zunehmend Einblicke in die Preisermittlung. Dabei unterstütze ich aktuell noch erfahrene Kollegen, sodass meine Ergebnisse geprüft werden und ich schrittweise ein besseres Verständnis für marktgerechte Preise und Herstellkosten entwickle. Als Werkzeuge kommen dabei insbesondere iTWO und BlueBeam zum Einsatz.
Besonders spannend war für mich die Mitarbeit an großen Projektentwicklungen wie dem Segelfliegerquartier in Berlin oder dem neuen Headquarter von Siemens Energy in Berlin. Projekte dieser Größenordnung hatte ich zuvor weder gesehen noch bearbeitet. Gerade die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit an unterschiedlichen Großprojekten mitzuwirken, macht die Arbeit in der Kalkulation äußerst abwechslungsreich. Jedes Projekt bringt neue Herausforderungen, Planungsansätze und technische Besonderheiten mit sich, wodurch kein Arbeitstag dem anderen gleicht.
Fachlich habe ich vor allem gelernt, wie wichtig es ist, bei der Angebotserstellung das „große Ganze“ im Blick zu behalten. Die Kalkulation muss einerseits ausreichend detailliert sein, andererseits aber auch berücksichtigen, dass sich viele Projektinhalte im weiteren Verlauf noch verändern können. Besonders interessant fand ich außerdem die Schnittstelle zur Arbeitsvorbereitung und Ausschreibung. Während die Kalkulation zunächst einen wirtschaftlichen Rahmen für das Projekt festlegt, muss die Ausschreibung deutlich tiefer in die Details eintauchen. Dort wird jede einzelne Leistung betrachtet, um sicherzustellen, dass alle notwendigen Arbeiten berücksichtigt werden und spätere Nachträge vermieden werden können. Dadurch wurde mir bewusst, wie eng die verschiedenen Projektphasen miteinander verzahnt sind und wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung für den späteren Projekterfolg ist.
Da mein bisheriger Schwerpunkt vor allem in der Bauausführung und im Rohbau lag, war das GU-Geschäft für mich in vielen Bereichen Neuland. Durch die Tätigkeit in der Kalkulation konnte ich erstmals einen umfassenden Überblick über die Vielzahl an Gewerken gewinnen, die zwischen dem Rohbau und der schlüsselfertigen Übergabe eines Gebäudes notwendig sind. Gleichzeitig habe ich ein besseres Verständnis dafür entwickelt, wie Herstellkosten entstehen und welche Faktoren bei ihrer Ermittlung berücksichtigt werden müssen.
Auch persönlich hat mich die Station weitergebracht. Mein Organisationstalent, meine Selbstständigkeit sowie mein analytisches Denkvermögen haben sich spürbar weiterentwickelt. Darüber hinaus habe ich mehr Selbstvertrauen in der fachlichen Kommunikation gewonnen. Eine der größten Herausforderungen bestand für mich darin, mir das Wissen über Ausbaugewerke und die zahlreichen Leistungen im Schlüsselfertigbau anzueignen. Dank intensiver Einarbeitung, eigener Recherche und der Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen konnte ich mein Wissen jedoch kontinuierlich erweitern.
Besonders überrascht hat mich, wie wenig Zeit häufig für die Kalkulation großer Projekte zur Verfügung steht. Gleichzeitig hatte ich den Weg von der ersten Angebotsabgabe bis zur tatsächlichen Auftragserteilung deutlich einfacher eingeschätzt. Erst während meiner Station wurde mir bewusst, wie viele Gespräche, Verhandlungsrunden und Entscheidungsschritte einem Projektgewinn oft noch vorausgehen. Häufig müssen sich die beteiligten Unternehmen dabei über mehrere Stufen hinweg immer wieder behaupten und ihre Ansätze weiterentwickeln. Dadurch habe ich ein deutlich besseres Verständnis dafür entwickelt, wie anspruchsvoll und langfristig die Akquise großer Bauprojekte tatsächlich ist.
Für zukünftige Trainees kann ich diese Station uneingeschränkt empfehlen. Wer Interesse am Bauwesen hat, neugierig ist, gerne mit Zahlen arbeitet und technische Zeichnungen lesen kann, wird hier viele spannende Einblicke erhalten. Hilfreich sind bereits vorhandene Grundkenntnisse zu Kennzahlen wie BGF oder BRI sowie ein grundlegendes Verständnis von Herstellkosten. Noch wichtiger ist jedoch die Bereitschaft, Fragen zu stellen und Neues zu lernen. Die Kolleginnen und Kollegen unterstützen dabei jederzeit, sodass man sich fachlich und persönlich sehr gut entwickeln kann.
Insgesamt bietet die Station bei Gustav Epple eine hervorragende Möglichkeit, das GU-Geschäft kennenzulernen, Verantwortung zu übernehmen und an spannenden Großprojekten mitzuwirken. Für mich war die Zeit in der Angebotskalkulation bisher eine äußerst lehrreiche und bereichernde Erfahrung, aus der ich viele wertvolle Erkenntnisse für meinen weiteren Weg im Traineeprogramm mitnehmen werde.






